Emil Fischer
- geb. am 09.10.1852 in Euskirchen
- jüngstes von sieben Kindern und einziger Sohn
- Vater : Laurenz Fischer
- Mutter: Julie Fischer, geb. Poensgen
- Vater besaß mit seinem Bruder in Euskirchen eine Wollspinnerei sowie Woll- und Garnfärberei
Kindheit und Jugend
- ungezwungene, ausgelassene Kindheit verlebt
- Geborgenheit in der Familie
- Abneigung gegen Verzärtlichung und Bemutterung durch ältere Schwestern
1857 - 1861 Grundschule
- mit 5 Jahren eingeschult in einklassige evangelische Privatschule
- Lehrer war Wilhelm Vierkötter
1861 - 1865 " Hohe Bürgerschule"
- mit 9 Jahren auf das vierklassige Progymnasium in der Klosterstraße in Euskirchen
- mit 13 Jahren musste er Schule verlassen (Probleme mit dem Rektor Heine)
1865 - 1867 Gymnasium in Wetzlar
- Anfang Oktober mit seinem Cousin Ernst am Gymnasium angemeldet
- Emil musste Aufnahmeprüfung bestehen, da die Bürgerschule in Euskirchen nicht als gleichberechtigt
galt ( Bürgerschule wurde im 19. Jahrhundert noch nicht akzeptiert )
- wurde in Untersekunda ( ) eingeschult, welche mit Obersekunda ( ) in einer Klasse unterrichtet wurde
- erreichte 1867 die Primareife
- konnte gut Klavier spielen
- Einfluss älterer Mitschüler brachte ihn früh zum Rauchen und Trinken
- Anforderungen in der Schule leicht geschafft
- da der Cousin das Gymnasium verließ, um ein Medizinstudium zu beginnen, wechselte auch Emil nach
Bonn
1867 - 1869 Gymnasium Bonn
- am 15. Geburtstag Aufnahme am Gymnasium
- wohnte bei Familie Kemp in Bonngasse mit Familienanschluss
- mit Cousin Ernst Fischer weiter musiziert und durch ihn mit dem Studentenleben bekannt gemacht
worden ( u.a. an UNI Säbelfechten gelernt )
- über Vater erste Begegnung mit Chemiker Dr. Bleibtreu
- Abitur mit noch nicht 17 Jahren 1869 als "primus omnium" bestanden
Ausbildung und Studium
- 1869 - Beginn einer kaufmännischen Ausbildung
- Oktober 1869 Beginn einer Lehre beim Schwager Max Friedrichs in Rheydt ( besaß ein gut gehendes
Holzgeschäft )
- war laut Schwager "miserabler Lehrling"
- begann, sich autodidaktisch in Rheydt mit der Chemie zu beschäftigen
- Ungeschicklichkeit und Ungeübtheit in praktischen Dingen, auch bei einfachen chemischen
Experimenten
- Beschäftigungen : Klavierspielen, Gasthausbesuche
- ab 1870 Privatstunden bei einem Chemielehrer in Rheydt
- begann mit Sammlung von "Berzelius`Jahresbericht der Chemie"
- besonderes Interesse für die Evolution der Chemie entwickelt
- Frühjahr 1870 ernsthafte Erkrankung ( chronischer Magenkatarrh aufgrund einer Erkältung und
unsinnigen Rauchens und Trinkens ) sowie Rückkehr ins Elternhaus nach Euskirchen
- Vater Laurenz über Emil : " Der Junge ist zum Kaufmann zu dumm, er soll studieren." ( Tüttenberg, S. 88 )
1871 - 1874 Chemiestudium an den Universitäten zu Bonn und Straßburg
- wohnte wieder bei Familie Kemp
- belegte im Sommersemester ( SS ) Vorlesungen in Physik, Botanik, etwas Chemie (Physik bei R.
Clausius, Chemie bei A. Kekule`)
- Praktikum der analytischen Chemie bei Prof. Engelbach
- Probleme beim Experimentieren, viele Missgeschicke, wollte Chemiestudium aufgeben und zur Physik
wechseln
- Cousin Emil riet zum Wechsel des Institutes, nicht des Faches
- zum Wintersemester( WS ) 1872 nach Straßburg gegangen
- durch Adolf von Baeyer gefördert und vor Abschluss der Doktorarbeit als Assistent in der organischen
Abteilung des Institutes gearbeitet
- 1874 Promotion, Thema : " Ueber Fluorescein und Phtalein - Orcein"
ab 1875 Hochschullaufbahn und Karriere als Chemiker
1875 - 1882 an der UNI in München
- 1875 entdeckte Fischer das " Phenylhydrazin"
- mit A.von Baeyer wechselte E. Fischer zum WS 1875/76 nach München
- bis 1878/79 arbeitete er als Privatdozent
- mehrere Arbeiten über aromatische Hydrazinverbindungen, Hydrazinverbindungen der Fettreihe und
über Rosanilin
- im WS 1876/77 zur Vervollständigung der eigenen Kenntnisse auf dem Bereich der analy- tischen
Chemie ging er nach Straßburg zu Prof. Rose, Beschäftigung mit Morphologie und Physiologie niederer
Pilze
- Frühjahr 1878 Habilitation und erste Vorlesung zum Thema : "Teerfarbstoffe"
- 1879 außerordentlicher Professor im Institut des Professors A.von Beayer, Leiter der analytischen
Abteilung an der UNI in München
1882 - 1884 an der UNI in Erlangen
- "Ordinariat" an der UNI angenommen, Assistenten aus München L. Knorr und H. Reisenegger
- E. Fischer fand die "Osazone der Zucker" und damit die Grundlage für die weitere Forschungsarbeit auf
dem Gebiet des Zuckers
1883 Tätigkeit bei der BASF
- lehnte Leitung eines wissenschaftlichen Laboratoriums ab
- nahm Einladung zum mehrwöchigen Besuch der Fabrik an, wollte Rohmaterialien für weitere
Forschungsarbeiten erstellen
- 1884 ernsthafte Erkrankung ( chronischer Bronchialkatarrh ) mit Verlust des Geruchssinnes für ca. 6
Monate ( schonte sich trotz Kuraufenthalt in Wiesbaden nicht und rauchte weiter )
- trotz Beschwerden weitere Vorlesungen und Praktika in Erlangen abgehalten
- November 1884 Abgabe des Lehrstuhles an seinen Cousin Otto Fischer
- Kuraufenthalte , Genesung auf Corsika
1885 - 1892 an der UNI in Würzburg
- 1885 Entwicklung eines Systems zur Entlüftung eines Chemielabors
- Arbeit an "Synthese von Indolverivaten aus Phenylhydrazonen"
- Sommer 1886 Weiterarbeit an Osazonen der Zucker
- 1888 Heirat mit Agnes Gerlach, drei Söhne ( Hermann Otto Laurenz geboren 1888, Walter 1891-1916,
Leonhard Joseph 1894-1917 )
- 1890/91 weitere Veröffentlichungen über Traubenzucker
1892 - 1919 an der UNI in Berlin
- Leiter des Chemischen Instituts in Berlin
- Fischer sollte als erfahrener Chemiker den Neubau mit einer Belüftungsanlage organisieren
- übernahm Lehrstuhl von W.A.v. Hofmann
- 1892 erneute ernsthafte Erkrankung ( Vergiftung durch Phenylhydrazin )
- 1895 Frau Agnes an Meningitis verstorben ( älteste Sohn gerade 7 Jahre alt )
- fühlte sich in Berlin durch administrative und gesellschaftliche Verpflichtungen in wissenschaftlicher
Arbeit beschnitten
- bemühte sich um die Schaffung einer europäischen "Gemeinde der Chemiker"
- scheiterte an den nationalistischen Gesinnungen seiner Zeitgenossen in Europa vor und während des
I. Weltkrieges ( war sehr enttäuscht )
- E. Fischer zog sich zunehmend zurück, wurde unzugänglicher, versachlichte und vereinsamte später in
Berlin
Ehrungen und Leistungen
- 1902 Nobelpreis der Chemie
- Thema des Vortrages : " Synthesen in der Purin- und Zuckergruppe"
- 1906 - Vortrag über Aminosäuren, Polypeptide und Proteine
- vor dem I. Weltkrieg weitere Arbeiten über Fermente, Aminosäuren, Polypeptide und Proteine, Arbeit
auf dem Gebiet der Depside, Flechtenstoffe und Gerbstoffe
- Forschungen auf dem Gebiet der Schmerz - und Schlafmittel, in der Krebsbehandlung
- Mitglied sämtlicher in- und ausländischer naturwissenschaftlicher und anderer akademischer
Gesellschaften ( z.B. der Akademie der Wissenschaften, Vorstandsmitglied der Deutschen Chemischen
Gesellschaft )
- zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen,
- z.B.
- 1909 russische Stanislaus-Orden und Band der französischen Ehrenlegion
- 1910 "Wirklicher Geheimrat" und Titel "Exzellenz" der Berliner Universität
- 1918 Rote-Adler-Orden mit Stern und Eichenlaub
- verschiedene Medaillen, wie z.B. die Davy-, Tiedemann-, Cothenius- und die Helmholtz-Medaille
- ihm zu Ehren wurde 1912 von Geheimrat Carl Duisburg die Emil-Fischer-Medaille gestiftet
- während des I. WK erwartete man von Fischer Forschungsergebnisse zur Beschaffung von
Ersatzrohstoffen ( Ernährungsnotstand in Deutschland )
- Fischer fand durch Experimente heraus:
- die Streckung von Margarine durch höhermolekulare Fettsäuren
- Nutzung von Stroh als Viehfutter durch Natronlauge
- Herstellung von Zucker aus Holz
- Möglichkeiten zur Streckung von Brot
- Erfindung eines synthetischen Coffeins zur Herstellung eines "Kaffee-Ersatzes"
- Herstellung eines künstlichen Kautschuks
- Gewinnung von flüssigen Brennstoffen und Schmierstoffen aus Kohle
Sein letzter Lebensabschnitt
- politisches Schwanken zwischen linksliberal, z.T. konservativ und demokratisch mit sozialistischen
Tendenzen
- wachsender innerer Widerspruch zwischen Forschungen für Deutschland und wachsender Zweifel an Rechtfertigung der deutschen Kriegshandlungen
- 1917/18 schwere Erkrankung an Lunge, Bronchien und Galle
- während seines Genesungsaufenthaltes in Locarno schrieb er seine Autobiografie "Aus meinem Leben"
- Winter 1918/19 Forschungsarbeit fortgesetzt
- Berliner Ministerium für Kunst und Wissenschaft entwickelte zu Beginn der Weimarer Republik Pläne,
alle Universitätslehrer über 65 Jahre aus den Ämtern zu entfernen
- E. Fischer zählte dazu und wollte selbst Abschiedsgesuch einreichen
- erkrankte wieder schwer Anfang Juli 1919 ( bösartiges Darmleiden ), Testament am 15.7.1919,
- überließ ¾ Millionen Mark einer Emil-Fischer Stiftung zur Unterstützung junger deutscher
wissenschaftlich arbeitender Chemiker
Am 15. Juli 1919 schied Emil Fischer freiwillig aus dem Leben.
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Marina Nicklich, Studienrätin
im Februar 2001
Text zusammengestellt aus der Festschrift zur feierlichen Übergabe des Emil-Fischer-Gymnasiums in
Euskirchen 1968 und "Beiträge zu Erziehungs wissenschaften. Band 8 - Emil Fischer-" von Peter Tüttenberg,
Verlag P.Wehle Witterschlick/ Bonn 2000.
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